Glossar
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Quelle jeweils - wenn nicht anders angegeben: Klinisches Wörterbuch 'Pschyrembel' (1994; 2007)
Agnosie
Störung des Erkennens ... Oft mit einem 'Funktionswandel' (-> siehe dort) des betroffenen Sinnesorgans. Formen:
- Auditiv: Sog. 'Seelentaubheit' - Autotopagnonistisch: Hautreize am Körper können nicht richtig lokalisiert weden - Visuell: Sog. 'Seelenblindheit' - Störungen des Erkennens - Stereoagnostisch bzw. taktil: Gegenstände können nicht durch Tasten erkannt werden -> Siehe auch: Sensibilitätsstörungen
Aphasie
Sprachstörung nach abgeschlossener Sprachentwicklung. Ursachen: Z. B. Schädigung der Sprachregion (meist linke Hemisphäre), Schlaganfall, Schädelhirntrauma etc. Einteilung: - Motorische Aphasie (Broca-Aphasie - Störung der Sprachproduktion) - Sensorische Aphasie (Wernicke-Aphasie - Störung des Sprachverständnisses) - Amnestische Aphasie (Wortfindungsstörung - Ersetzen, Auslassen, Hinzufügen einzelner Laute oder Verwechseln von Wörtern) - Globale Aphasie (starke Störung des Sprachverständnisses und der Sprachproduktion)
Balkenmangel - Balkenagenesie
Fehlen des 'Balken' des Gehirns (= Corpus callosum), der Faserverbindung zwischen den beiden Hemisphären; er kann vollständig oder teilweise fehlen. Das 'Corpus callosum' gehört - wie auch die 'Commissura anterior und posterior' - zu den sog. 'Kommisurenbahnen'. Das sind Nervenfasern in der 'weißen Substanz' des Großhirns; sie verbinden 'identische' Stellen beider Gehirnhälften. Symptome bei Balkenmangel: Krampfanfälle, Koordinationsstörungen. Betroffene können Informationen aufnehmen, haben aber Probleme damit, diese zu verarbeiten. Oft bestehen Probleme mit Mathematik, motorische Probleme, Probleme mit dem Sprechen und Organisationsprobleme.
Basalganglien = Stammganglien
Hiermit bezeichnet man: 1. Entwicklungsgeschichtlich den 'Nucleus caudatus' und das Putamen (= äußere Schicht des Linsenkerns). 2. Funktionell wird noch das 'Pallidum' dazugerechnet, und auch der 'Nucleus subthalamicus', der 'Nucleus ruber' (= Kern im Tegmentum) und die 'Substantia nigra' (= melaninhaltige Nervenzellen).
Es sind jeweils Kerngebiete des 'extrapyramildalen Systems'. Hierzu zählen z. B. auch die 'Formatio reticularis' und der 'Nucleus vestibularis'.
Beriberi Krankheit durch Thiaminmangel (Vit. B1-Mangel)
Man unterscheidet hierbei:
- Eine akute Säuglingsberiberi: Wenn eine Mutter, die ihr Kind stillt, selbst einen Thiaminmangel hat, kann dies bei ihrem Baby zu einer 'akuten Herzinsuffizienz' führen, an der das Baby sterben kann (... kommt oft vor ...).
- Eine chronische Beriberi: Symptome sind Ödeme (= schmerzliche, nicht gerötete Schwellungen), periphere Nervenlähmung und Herzinsuffizienz.
- Eine 'zerebrale' Beriberi: Auch sog. 'Wernicke-Enzephalopathie' oder 'Enzephalopathie im Erwachsenenalter' - sie kommt z. B. oft vor bei Alkoholkrankheit.
-> Das Krankheitsbild 'Beriberi' wurde bereits im Jahr 1630 beschrieben. Es wurde beobachtet bei Gefangenen in Ostasien, die 'geschälten' Reis bekamen: Die Betroffenen hatten schlotternde Knie und einen steifen Gang wie Schafe: Es sei wie eine Lähmung oder eher ein Körperzittern, es beeinflusse Bewegungen und Sinnesempfindungen der Hände und Füße ... -> Siehe auch Enzephalopathie, Thiamin, Thiaminmangel
Bilirubin - Enterohepatischer Kreislauf Beim Abbau der Erythrozyten wird das darin enthaltene Hämoglobin in die Eiweiße HÄM und GLOBIN aufgespalten; dabei wird das im Hämoglobinmolekül enthaltene Eisen frei. Dieses Eisen wird sofort wieder an ein Transportprotein gebunden, damit es nicht über die Niere ausgeschieden wird, sondern dem Körper ‚erhalten’ bleibt. Der 'Rest' des Häms wird über weitere Schritte abgebaut zu Bilirubin. Bilirubin ist der wichtigste Gallenfarbstoff und zunächst NICHT WASSERLÖSLICH: Im Dickdarm wird Bilirubin weiter umgebaut zu: * Glukuronsäure entsteht enzymatisch durch Oxidation von Glukose an C6: Aus UDP-Glukose (sog. aktive Glukose) wird UDP-Glukuronsäure (sog. aktive Glukuronsäure). UDP ist 'Uridindiphosphat', ein von Uridin abgeleitetes Nukleotid und Baustein der RNA. -> Siehe auch 'Spurenelemente: Mangan'
Chorea, Tics, Tourette-Syndrom
Bei der Chorea (= sog. 'Veitstanz') ist die 'Motorik' gesteigert (= Hyperkinesie), und es besteht auch eine 'Hypotonie der Muskulatur', also eine herabgesetzte Muskelspannung, und es kommt zu regellosen, plötzlich auftretenden unwillkürlichen Bewegungen der Extremitäten (= Gliedmaßen) - meist asymmetrisch; diese Bewegungen können auch im Schlaf auftreten bzw. weiterbestehen. Die Chorea kann auch eine unerwünschte Medikamentenwirkung sein (z. B. von Neuroleptika und Antiepileptika).
Mit Tic bezeichnet man Gesichts- oder Nervenzuckungen, die plötzlich und unwillkürlich auftreten - z. B. Blinzeln oder Hüpfen. Bei Kindern treten Tics oft nur vorübergehend auf. Als Ursache vermutet man eine Störung der Verbindungen zwischen Großhirnrinde und Thalamus.
Beim Tourette-Syndrom (= Gilles-de-la-Tourette-Syndrom) treten ticartige Zuckungen auf, v. a. im Geischt: Augenzwinkern, Mundverzerren oder Zungenschnalzen. Ruckartige Kopf- oder Schulterdrehungen. Evtl. 'Zwangshandlungen' wie z. B. Ausstoßen von Schreien, Nachahmen der Bewegungen anderer Personen (= Echopraxie) oder der Gebrauch vulgärer Ausdrücke (= Koprolalie).
-> Siehe auch Hypothalamus ... und Thalamus
Enzephalopathie
Mit diesem Begriff bezeichnet man Erkrankungen oder Schädigungen des Gehirns, die nicht entzündlich bedingt sind, sondern z. B. auftreten bei einer Hypertonie (= Bluthochdruck - sog. 'hypertensive Enzephalopathie'), bei Niereninsuffizienz, Diabetes mellitus, Leberzirrhose, Vergiftungen (z. B. durch Quecksilber oder Blei) oder bei Hormonstörungen.
Als 'Wernicke-Enzephalopathie' bezeichnet man eine 'Enzephalopathie im Erwachsenenalter' mit der Ursache: Thiaminmangel. Man nennt sie auch 'Polioencephalopathia haemorrhagica superior'. 'Polioenzephalitis' = Entzündung der 'grauen Hirnsubstanz' (= Substantia grisea). Eine 'Hämorrhagie' ist eine Blutung.
Die Symptome - je nach 'Grunderkrankung' können sein: Bewusstseinsstörungen - bis hin zu einem Koma. Psychische Veränderungen, z. B. Gedächtnissstörungen, Änderungen des Antriebs, Depressionen, Angst. Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Atemprobleme, erhöhter Puls etc. Krampfanfälle, Hirnnervenlähmungen, Augenbewegungsstörungen, Fehlen aller oder einzelner Reflexe, Ataxie, spastische Lähmungen, Sensibilitätsstörungen.
'Zentralnervöse Symptome' einer Enzephalopathie sind v. a.: Stimmungslabilität Angst Erregung -> als Antriebsstörung mit Bewegungsunruhe und gesteigerter Erregbarkeit Muskelzucken Seh-, Hör-, Sprach- und Gangstörungen Merkschwäche Persönlichkeitsabbau Symptome einer sog. 'Polyneuropathie' (= Erkrankung der 'peripheren Nerven', die nicht durch eine Verletzung oder Gewalteinwirkung bedingt ist)
Quelle: Klinisches Wörterbuch 'Psychyrembel' und 'Naturheilpraxis heute' -> Siehe auch Polyneuropathie, Sensibilitätsstörungen, Thiaminmangel
Extinktion
... hat u. a. folgende Bedeutungen:
- Erlöschen bedingter Reflexe ... 'Bedingte Reflexe' sind 'konditionierte Reflexe' (-> Pawlow-Hund ...), d. h., sie werden nicht durch einen 'bereits vorangelegten' Reflexbogen vermittelt, sondern laufen erst nach 'Konditionierung' ab. (-> sog. "Signallernen").
- Nichtbeachtung eines Reizes bei 'doppelt simultaner Stimulation' -> Vgl. auch Bezeichnung 'Neglect' = Bezeichnung für eine oft halbseitige Vernachlässigung des eigenen Körpers oder der Umgebung - eine oder mehrere 'Sinnesqualitäten' können dabei beteiligt sein ...
Formatio reticularis
System markhaltiger Fasern und 'Nervenknoten'; es verläuft von der Medulla oblongata bis ins Zwischenhirn. Es ermöglicht: - Die Vermittlung lebenswichtiger Erregungen, die durch einen Reflex ablaufen. - Die Steuerung vegetativer Funktionen (= Funktionen, die nicht unserem Willen und Bewusstsein unterliegen). - Die Koordination von Reflexen zu Bewegungsabläufen. - Die Verarbeitung 'zuführender' Erregungen - als Informationen für die Großhirnrinde.
Funktionswandel
Senkung der 'Wahrnehmungsschwelle' eines Sinnesorgans (optisch, akustisch, taktil, olfaktorisch, gustatorisch) -> Siehe auch Sensibilität, Sensibilitätsstörungen
Hirnlokales Syndrom
Unter diesem Begriff werden verschiedene 'Kombinationen' von Symptomen zusammengefasst; Ursache ist jeweils eine 'umschriebene' Schädigung des Gehirns. Ursachen: Z. B. Hirntumoren, Gehirnblutungen, Durchblutungsstörungen etc.
Lese-Schreib-Zentrum
Hiermit bezeichnet man Hirnareale, die für das Lesen und Schreiben 'zuständig' sind. Um Lese- und Schreibleistungen erbringen zu können, müssen Reize aus dem Seh- und Sprachzentrum und die motorische Koordinierung 'zusammenarbeiten'. Das Lese-Schreib-Zentrum ist kein genau definierter Bereich im Gehirn. Dazu gehören aber jedenfalls Anteile von: - Gyrus angularis (= hinteres Ende des Sulcus temporalis = Furche des Schläfenlappens) - Lobus parietalis (= Scheitellappen) - Corpus striatum (= 'Streifenhügel' mit Putamen und Nucleus caudatus; Teil des extrapyramidalen Systems) - Globus pallidum (Pallidum)
-> Siehe auch: 'Wunderwerk Gehirn: Rindenarchitektonik', 'Pallidum', 'Leitungsbahnen', 'Nuclei', 'Zum Nachdenken: Händigkeit, Augendominanz und Hörlaterialität' und 'Lernprobleme'
Limbisches System
Zum limbischen System gehören Teile des Groß-, Zwischen- und Mittelhirns: - Mandelkern - Hippocampus - Teile des Hypothalamus - Mamillarkörper (= Corpus mamillare) -> Der 'Mamillarkörper' (= paarig) ist die 'Schaltstelle des limbischen Systems'. Das 'limbische System' bildet einen 'Saum' um die Kerngebiete des Hirnstamms und um den 'Balken' (= Corpus callosum) des Großhirns. Es ist ein wichtiges System, was unsere Gefühle und emotionalen Reaktionen (Furcht, Wut, Aggressionen usw.) betrifft, und auch für unser Gedächtnis, da es mit sog. 'Assoziationsgebieten' verknüpft ist. (Quelle: Naturheilpraxis heute)
Motorische Endplatte
Sie enthält zahlreiche 'Mitochondrien' (= sog. 'Kraftwerke' unserer Zellen) und 'Vesikel' (= 'Bläschen'). In diesen Vesikeln ist Acetylcholin gespeichert. Es wird bei Erregung der motorischen Endplatte freigesetzt und führt zur Erregung der Muskelmembran (= 'zarte Haut'). Abbau des Acetylcholins: Durch die 'Cholinesterase'; sie ermöglicht die 'Repolarisation' der motorischen Endplatte ... 'Repolarisation' heisst: Wiederherstellung des 'Ruhemembranpotentials' nach 'Depolarisation'*.
* 'Depolarisation' = elektropyhsiologisches Phänomen fokoaler Entladungen während eines 'epileptischen Anfalls' ...
-> Siehe auch: Acetylcholin, Neurotransmitter
Neglect
Bezeichnet eine oft halbseitige Vernachlässigung des Körpers oder der Umgebung bezüglich einer oder mehrerer 'Sinnesqualitäten.' Ursachen: V. a. bei Parietallappenschädigung (= Scheitellappenschädigung im Großhirn), besonders der 'nichtdominanten' Seite. In abgeschwächter Form auch als 'Extinktion' (-> siehe dort; -> siehe auch 'Agnosie' und 'Hirnlokales Syndrom').
Nervensystem
Unser Nervensystem wird vom Körperaufbau her eingeteilt in 'Zentralnervensystem' - mit Gehirn und Rückenmark - und in 'peripheres Nervensystem' - mit Hirnnerven, Rückenmarknerven und 'peripheren' Nervenknoten.
Funktionell unterscheidet man zwischen 'animalem' und 'vegetativem' Nervensystem: Das 'Animale Nervensystem' regelt die willkürlichen Funktionen. Es ist v. a. zuständig für die Wahrnehmung und 'Weiterverarbeitung' von Reizen und die Steuerung der Motorik.
Das 'Vegetative Nervensystem' (= 'Autonomes Nervensystem') regelt - unabhängig von unserem Willen und Bewusstsein - lebenswichtige Funktionen wie Atmung, Verdauung, Stoffwechsel, Hormon- und Wasserhaushalt usw. Es sorgt für das 'Zusammenspiel' der einzelnen Teile und hat auch eine wichtige Beziehung zu 'seelischen Vorgängen'.
Zum 'vegetativen Nervensystem' gehören drei Systeme: Sympathikus - Parasympathikus - Intramurales System Der Parasympathikus wird auch als 'kraniosakrales System' bezeichnet, der Sympathikus auch als 'thorakolumbales System'.
Polyneuropathie
Hiermit bezeichnet man die Erkrankung 'peripherer Nerven' (im Extremfall des ganzen peripheren Nervensystems). -> Unser 'peripheres Nervensystem' verbindet das ZNS (= Gehirn und Rückenmark) über die Hirn- und Rückenmarksnerven (= Spinalnerven) mit dem übrigen Körper. Sensible, motorische und vegetative Nerven* können dabei betroffen sein. Es ist eine sehr häufige Erkrankung; besonders im Rahmen eines Diabetes mellitus oder einer Alkoholkabhängigkeit.
* Sensible Nerven = nehmen Reize auf, leiten weiter; motorische Nerven = dienen der Bewegung; vegetative Nerven = betreffen die Funktionen des 'vegetativen Nervensystems' .
-> Das 'vegetative Nervensystem' steuert lebenswichtige Funktionen wie z. B. Atmung, Verdauung und Stoffwechsel 'automatisch', also ohne unseren Willen und unser Bewußtsein.
Symptome bei Polyneuropathie
Sensibilitätsstörungen und 'Parästhesien': -> Sie beginnen meist an den unteren Gliedmaßen und treten beidseitig (symmetrsich) auf, meist 'socken- oder handschuhförmig', mit Kribbeln, Ameisenlaufen, Taubheitsgefühl, Brennen Koordinationsstörungen: -> Z. B. Ataxie (-> Siehe Ataxie) Schlaffe Lähmungen: -> Sie beginnen auch meist an den unteren Gliedmaßen und treten beidseitig (symmetrisch) auf Hautveränderungen, bis hin zu einem Geschwür Verminderte Schweißsekretion Magen-, Blasen- und Darmentleerungsstörungen Potenzstörungen
Quelle: 'Naturheilpraxis heute'
Pyramidenbahn
Sie übermittelt Impulse für die bewussten Bewegungen. 80 % ihrer Fasern kreuzen im unteren Hirnstammbereich - und werden zur 'Pyramidenseitenstrangbahn' im Rückenmark (-> mit Verbindung zu den Motoneuronen) und zur 'Pyramidenvorderstrangbahn'. Die extrapyramidalen Bahnen steuern die unwillkürlichen Muskelbewegungen (= automatische Bewegungsabläufe), aber auch die sog. 'Willkürmotorik' insoweit, als sie die bewusste Motorik abschwächen oder verstärken und die 'Muskelgrundspannung' steuern. Diese Bahnen bzw. 'Kerngebiete' haben Verbindung zu: - Grosshirnrinde - Kleinhirn - dem visuellen System - dem Gleichgewichtssystem
Pyramidenbahnzeichen
Sog. Pyramidenbahnzeichen treten auf bei einer Schädigung des '1. motorischen Neurons'* und können z. B. sein: - Lähmungen (-> zentral; 'spastisch') mit erhöhter Muskelgrundspannung und 'Mitbewegungen'. - Krankhafte, erloschene oder gesteigerte (Fremd-)Reflexe.
* Alle 'motorischen Bahnen' sind zusammengesetzt aus zwei Neuronen: Dem 1. (= zentrales Neuron) und dem 2. Neuron (= peripheres Neuron). Motorische Bahnen sind 'absteigende' Bahnen; d. h. sie leiten die Erregungen jeweils vom ZNS zur 'Peripherie' - z. B. zu einem Muskel. Zu diesen Bahnen gehören die 'Pyramidenbahn' und die 'extrapyramidalen Bahnen'.
* Alle 'sensorischen bzw. sensiblen Bahnen' (für Berührung, Druck, Schmerz, Temperaturempfindung, Tiefensensibilität, Lokalisationsempfindung) sind zusammengesetzt aus drei hintereinandergeschalteten Neuronen: Das 1. Neuron ist das 'periphere' Neuron, es endet am 2. Neuron. Das 2. Neuron liegt im Hinterhorn des Rückenmarks oder in der 'Medualla oblongata' und zieht zum Thalamus bzw. Kleinhirn. Das 3. Neuron überträgt die Erregung vom Thalamus auf bestimmte Rindenfelder der Großhirnrinde. Es sind 'aufsteigende' Bahnen, sie leiten die Erregungen von 'peripheren' Sensoren und Rezeptoren zum ZNS.
Rückenmark und Spinalnerven
Das Rückenmark leitet über große auf- und absteigende Leitungsbahnen Nervenimpulse vom Gehirn an die sog. 'Peripherie' - und umgekehrt. Die Leitungsbahnen bestehen aus markhaltigen Nervenfasern, sog. 'weißer Substanz' (= Substantia alba des Gehirns und Rückenmarks). Die sog. 'graue Substanz' (= Substantia grisea) im Rückenmark gilt als 'Schaltzentrum' für schnell erforderliche motorische Reaktionen. Diese werden ermöglicht durch 'Rückenmarksreflexe'.
-> Rückenmarksreflexe können nicht mehr willentlich beeinflusst werden, wenn sie einmal in Gang gekommen sind.
Das Rückenmark wird in 31 Rückenmarksegmente und dazugehörige 31 Nervenpaare unterteilt - mit jeweils eigenem Reflex- und Verschaltungszentrum:
8 Halssegmente -> versorgen Atemmuskulatur und Arme 12 Brustsegmente -> versorgen die Rumpfwand 5 Lendenwirbelsegmente und 5 Kreuzbeinsegmente -> versorgen die Beine, das äußere Genitale und den Anus 1 - 3 Steißbeinsegmente -> versorgen den Hautbereich über dem Steißbein
Quelle: 'Naturheilpraxis heute'
Sensibilitätsstörungen
Hiermit bezeichnet man Empfindungsstörungen oder auch sog. 'sensible Lähmungen': Die Reizwahrnehmung ist gestört. Mögliche Ursachen: - Eine Schädigung eines Sinnesrezeptors (Rezeptor = 'Empfangs- bzw. Aufnahmeeinrichtung'). - Eine Störung in der Weiterleitung der 'Erregung' zum Gehirn. - Eine beeinträchtigte Verarbeitung der Reize im Gehirn. Mögliche Formen: - Herabgesetzte oder erhöhte Berührungsempfindung. - Herabgesetzte oder gesteigerte Schmerzempfindung. - Mißempfindungen - wie z. B. Ameisenlaufen, Kribbeln, Brennen. - Andersartige oder unangenehme Wahrnehmung eines Reizes.
Quelle: 'Naturheilpraxis heute'
Substantia alba = weiße Substanz Marksubstanz aus markhaltigen Nervenfasern im Gehirn und im Rückenmark; sie findet sich in den sog. 'Leitungsbahnen'. Substantia grisea = graue Substanz Sie besteht aus Nervenzellen des Gehirns und Rückenmarks und findet sich in den 'Schaltzentren'. Substantia nigra= melaninhaltige Substanz Findet sich als Teil des 'extrapyramidalen Systems' zwischen Hirnschenkel (= Crus cerebri) und der 'Mittelhirnhaube' (= Tegmentum mesencephali).
-> Siehe auch 'Extrapyramidales System'
Thiamin - Vitamin B1
Vitamin B1 wird in seine wirksame Form - das sog. 'Thiaminpyrophosphat' - übergeführt, indem es im Körper mit Phosphatgruppen verbunden wird: Thiaminpyrophosphat ist ein 'Coenzym'. Dieses Coenzym ist wichtig für die Energiegewinnung aus Kohlenhydraten und v. a. auch für die Synthese des Neurotransmitters 'Acetylcholin'.
-> Es ist wichtig für Herzfunktion, Nerven- und Muskeltätigkeit. -> Etwa die Hälfte des Thiamins wird für die Muskeltätigkeit verbraucht!
Thiaminmangel Ein Thiaminmangel kann entstehen durch mangelnde Zufuhr oder auch durch eine gestörte Aufnahme der Nahrungsbestandteile aus dem Darm, z. B. bei Alkoholkrankheit, Magenkarzinom oder bei Entfernung von Magenteilen etc. Thiamin ist wichtig für den Kohlenhydratabbau in den Zellen. Bei einem Mangel können Kohlenhydrate nicht mehr vollständig abgebaut werden - und die Zellen bekommen nicht mehr ausreichend 'Energie'. Hiervon betroffen sind besonders die Gehirn- bzw. Nervenzellen: -> Es kommt zu Nerven- und Muskelstörungen - auch am Herzen!
Symptome an den Muskeln - Allgemeine Schwäche und bes. eine Störung der Herztätigkeit Symptome am Nervensystem - Abgeschwächte Reflexe - Krämpfe, Lähmungen - Angstzustände - Müdigkeit, Konzentrationsschwäche Unser Körper kann Thiamin nur in geringen Mengen speichern. Eine ständige Zufuhr mit der Nahrung ist unbedingt nötig!
-> Hohe Thiaminmengen können aber nicht gespeichert werden, sondern werden über den Urin rasch wieder ausgeschieden! -> Ein erheblicher Thiaminmangel wird als 'Beri-Beri' bezeichnet. Dieses Krankheitsbild wurde bereits im Jahr 1630 beschrieben. Es wurde beobachtet bei Gefangenen in Ostasien, die 'geschälten' Reis bekamen: Die Betroffenen hatten schlotternde Knie und einen steifen Gang wie Schafe - es sei wie eine Lähmung oder eher ein Körperzittern, es beeinflusse Bewegungen und Sinnesempfindungen der Hände und Füße ...
Unsere Ernährungsgewohnheiten bewirken häufig einen Thiaminmangel! Weißer (polierter) Reis, Auszugsmehle und Zucker - sie haben einen hohen Kohlenhydratgehalt, enthalten aber kaum Thiamin. Und ohne Thiamin können Gehirn und Nerven nicht ausreichend versorgt werden! -> Vollkorn macht fit! -> Gute Versorgungsquellen für Thiamin sind z. B.: Nüsse, Mohn, Sonnenblumenkerne, Erbsen, Linsen, Sojabohnen, Vollgetreide, Leinöl, Eigelb.
Quellen: Cornelia A. Schlieper - "Ernährung heute" und "GU-Nährwerttabelle"
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